Regeln des Frakturſatzes

Texte im Frakturſatz ver­wen­den Lang-ſ und Li­ga­tu­ren. Oh­ne ſie iſt der Text ſchrift­hi­ſto­riſch falſch und ähn­lich wie ein Text mit fal­ſcher Recht­ſchrei­bung zu be­werten.
Frakturligaturen ent­ſte­hen durch die Ver­bin­dung ein­zel­ner Buch­ſta­ben wie c h, c k, f f, f f i, f i, f l, ſ c h, ſ i, ſ ſ, ſ ſ i, ſ t, t t, t z und an­de­ren zu je­weils ei­nem neu­en Zei­chen. Das lan­ge ſ iſt ei­ne wei­te­re s-Form. Die Zei­chen ſind ei­gen­ſtän­dig, ſprach­be­deut­ſam (nicht nur Zier­for­men) und tra­gen zur beſſe­ren Les­bar­keit bei.
Ligaturen
Ligaturen wer­den ge­ſchloſſen, wenn ih­re Ein­zel­buch­ſta­ben in­ner­halb ei­nes Wort­ſtamms ne­ben­ein­an­der ſte­hen (Bach, ſie ſtrick­ten, Tatze, Hallig, deſſen, fin­den, Löffel, Stifter, Otto) ein­ſchließ­lich En­dun­gen wie -t, -te, -ten, -teſt u. a. (ruft, ſauſt, hoffte, hätteſt, elftel, elftens, zu fünft) und Nach­ſil­ben, die mit i be­gin­nen wie -in, -ig, -iſch (klaſſig, klaſſiſch, emſig, häufig, griffig, Ge­hilfin, Schöffin). Weg­laſſen ei­nes e ſchließt die Li­ga­tur eben­falls (teufliſch, knifflig, Baſler, fuſſlig). Auch Li­ga­tur­ein­zel­zei­chen, die zwar Teil­wör­ter über­brü­cken, von de­nen aber das letz­te mit ei­nem Buch­ſta­ben ab­ge­kürzt wird, wer­den ver­bun­den (Aufl.). Wenn von drei auf­ein­an­der­fol­gen­den Buch­ſta­ben je zwei ei­ne Li­ga­tur bil­den kön­nen, wird die Li­ga­tur in­ner­halb der Sil­ben, nicht zwi­ſchen ih­nen ge­ſchloſſen (Par­af |fin, Meſ |ſing), es ſei denn, die Schrift ent­hält die zu­ge­hö­ri­ge Drei­er­li­ga­tur (Par­affin, Meſſing).
Über die Fugen aus Teil­wör­tern zu­ſam­men­ge­ſetz­ter Wör­ter hin­weg wer­den da­ge­gen kei­ne Li­ga­tu­ren ge­ſetzt (Tat|zeit, Rot|ton, Ent|zug, Tief |land, fünf |tei­lig, viel|leicht, Co­mic|held, Auf |fahrt, Diens|tag, das|ſelbe, Aus|ſicht, Haff |in­ſel, mit|tei­len). Auch mit Mit­lau­ten be­gin­nen­de Nach­ſil­ben wie -zig, -lein, -le, -ling, -lich, -chen wer­den nicht ver­bun­den (acht|zig, Häuf |lein, Häus|le, Sechs|ling, dörf |lich, Häs|chen).
DerS p e r r ſ a tz  iſt die be­vor­zug­te Text­aus­zeich­nung, da fet­te oder kur­ſi­ve Schrift­ſchnitte nur ſel­ten vor­han­den und Groß­buch­ſta­ben ſchwer les­bar ſind. Im Sperr­ſatz wer­den die Li­ga­tu­ren in ih­re Ein­zel­zei­chen auf­ge­löſt, aus­ge­nom­men die Zwangs­li­ga­tu­ren ch, ck, tz und evtl. ſt. Die ſ s-Fol­ge oder — wenn vor­han­den — die ſs-Li­ga­tur in der neu­en Recht­ſchrei­bung bleibt eben­falls un­geſperrt.
s / ſ - Schreibung
Das Rund- oder Schluß-s ſteht am En­de von Wör­tern, Teil­wör­tern, Vor­ſil­ben und vor Nach­ſil­ben, die mit ei­nem Mit­laut be­gin­nen (ſ. o.), ſo­wie als Fu­gen/​Ge­ni­tiv-s und zeigt eben­ſo wie ein ggf. gleich­zei­tig feh­len­der Li­ga­tur­ſchluß ei­ne Wort­fu­ge an (Kurs, das, Kreistag, Mustopf, Bläschen, desin­fi­zie­ren, er­tragsarm, ausſetzen, Amtschef, losge­hen, löslich, Riesling).
Das lange ſ ſteht am An­fang und im In­ne­ren ei­nes Wort­ſtammes (ſein, alſo, Weiſung, Roſe, iſt, Waſſer, raſch, ſ‌pät) und bleibt er­hal­ten in Ab­kür­zun­gen (ſ., Abſ., Geſ.), bei Tren­nun­gen (hiſ-ſen, Miſ-ſiſ-ſippi) und beim Weg­laſſen ei­nes e oder i oh­ne und mit Apo­ſtroph (gruſlig, faſrig, Pilſner, unſre, roſ ’ge, eiſ ’ge).
Mehrfach-s gibt es als Dop­pel-s sſ (ausſe­hen, losſe­geln) und ſſ (Meſſe, Gaſſe), nie­mals aber als ss. In der neu­en Recht­ſchrei­bung kom­men ſs (daſs, muſs) und als Drei­fach-s ſsſ (Guſsſtahl, Schluſsſatz) hinzu.
Das Setzen eines langen oder run­den s iſt nicht völlig ge­re­gelt und hängt auch von der Struk­tur der Wör­ter ab, von de­nen sich Fremd­wör­ter ab­lei­ten. So wird zum Bei­ſpiel Aſ beſt (griech. á|sbestos) mit Lang-ſ, Kosmos (griech. kós|mos) mit Rund-s ge­ſchrieben.