Ligaturen ſetzen
Wie wer­den Li­ga­tu­ren in den Text ein­ge­fügt?
Ligaturen ſind Zei­chen mit ei­ge­nen Zei­chen­plät­zen und ſind – aus Sicht des vor­herr­ſchen­den Anti­qua­ſy­ſtems – Son­der­zei­chen. An­ders als die ſonſt üb­li­chen Son­der­zei­chen, die nur ge­le­gent­lich ver­wen­det wer­den, kom­men Frak­tur­li­ga­tu­ren und Lang-ſ aber ähn­lich häu­fig wie vie­le an­de­re Buch­ſta­ben vor. Zum flüſ­ſi­gen Li­ga­tu­r­ſchrei­ben ſind da­her Son­der­zei­chen-Ein­fü­ge­me­tho­den wie um­ſtänd­li­ches Ko­pie­ren aus Ta­bel­len oder Ein­ga­be mit ſpe­ziel­len Ta­ſten­(kom­bi­na­tio­nen) we­nig ge­eig­net. Doch man­gels an­de­rer Mög­lich­kei­ten be­gann da­mit der di­gi­ta­le Frak­tur­ſatz.

1. Liga­turen mit »Liga­tur­taſten«
Liga­turen kön­nen ohne weitere Pro­gramm­hil­fe, alſo nur mit der DIN-Taſtatur und den übli­chen Text­pro­gramm­funk­tionen, mit »Li­ga­tur­taſten« in den Text ein­ge­fügt wer­den. Dieſer Be­griff um­faßt hier ein­zel­ne Hilfs­taſten, Taſten­kom­bina­tio­nen bis hin zu Son­der­zei­chen-Ein­füge­funk­tio­nen der Text­pro­gram­me. Das ſetzt die Kennt­nis der Frak­tur­ſatz­re­geln und die Be­herr­ſchung des Li­ga­tur­taſtenſyſtems der jewei­li­gen Schrift und des Text­pro­gramms vor­aus. Hilfs­mit­tel da­bei kön­nen Li­ga­tur­taſten­liſten und Taſta­tur­ſcha­blo­nen ſein. Das Wort »Eck­platz« kann zum Bei­ſpiel mit fol­gen­den Taſten ge­ſchrie­ben wer­den:  E [ck-Li­ga­tur­taſte] p l a [tz-Li­ga­tur­taſte], wo­bei die ck- und tz-Li­ga­tur­taſte ab­hän­gig von Schrift und Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm bei­ſpiels­wei­ſe ſein kön­nen: »Hoch­ſtell­ta­ſte+5« (Norm­zei­chen: %) und »AltGr+7« ({) oder »Alt+0191« (¿) und »Alt+0133« (…) oder »EEC4[F2]« (ck) und »EEDC[F2]« (tz), an­de­re Ta­ſten­kom­bi­na­tio­nen oder Ko­pie­ren aus Ta­bel­len. Schnell­ſchrei­ben iſt mit Li­ga­tur­taſten nicht mög­lich.

2. Ligaturen durch Text­umwand­lung
Ein Weg, die Nachteile beim Schreiben mit Liga­tur­taſten zu umgehen, beſteht in der Umwand­lung gan­zer Anti­qua­texte. Dabei wer­den Li­ga­tur-Ein­zel­zei­chen nach dem Su­chen-Er­ſet­zen-Prin­zip durch Li­ga­tu­ren er­ſetzt, das Wort » E c k p l a t z « al­ſo durch » E ck p l a tz «. Die Um­wand­lungs­pro­gram­me berück­ſich­ti­gen die Frak­tur­ſatz­re­geln, die der An­wen­der bei die­ſer Art der Frak­tur­text-Erſtel­lung nicht mehr be­herr­ſchen muß. Li­ga­fak­tur kann re­gel­ge­rech­te Frak­tur­tex­te auch nach dieſem Ver­fah­ren er­zeugen.

3. Liga­turen mit Taſten der Einzel­zeichen und Trenn­funk­tion
Später wurden die dann auf­kom­men­den Taſten­umlei­tungs­pro­gramme ge­nutzt, um das Liga­turſchrei­ben zu ver­ein­fa­chen. In Frak­tur­ſchrif­ten mit Open­Type-Li­ga­tur­funk­tion ſind ſol­che Pro­gram­me be­reits ein­ge­baut. Jetzt ſchlie­ßen ſich die Li­ga­tu­ren von ſelbſt zuſam­men, ſobald die Ein­zel­taſten an­ge­ſchla­gen wer­den. Zum Bei­ſpiel ent­ſteht aus t, ge­folgt von z die tz-Li­ga­tur. Das iſt eine weſent­li­che Er­leich­te­rung, weil da­mit auch die Li­ga­tur­taſten und mit ih­nen die Hilfs­liſten und -ſcha­blo­nen ver­ſchwin­den und viel flüſ­ſi­ger ge­ſchrie­ben wer­den kann. Man tippt al­ſo ein­fach » E c k p l a t z « ein und erhält das Wort mit ck- und tz-Li­ga­tur. Den­noch bleibt das Prob­lem, daß Li­ga­tu­ren ein­mal ge­ſchloſſen wer­den (tz in Tatze), ein an­de­res Mal aber of­fen blei­ben müſſen (tz in Tatzeit). Um den Li­ga­tur­ſchluß zu ver­hin­dern, muß die po­ten­tiel­le Li­ga­tur ge­trennt wer­den, zum Bei­ſpiel mit ei­ner Trenn­taſte ( T a t | z e i t ). Das er­for­dert nach wie vor die Kennt­nis der Satz­re­geln und Auf­merk­ſam­keit beim Schreiben.

4. Liga­turen mit Taſten der Einzel­zeichen beim nor­malen Schreiben
Damit jedermann Fraktur­ſchriften auch ohne Li­ga­tur- und Trenn­taſten und ohne tie­fe­re Re­gel­kennt­nis ver­wen­den und dabei einen regel­ge­rech­ten Frak­tur­text er­zeu­gen kann, wurde »Liga­fak­tur« ent­wickelt. Dieſes Pro­gramm ent­hält das Re­gel­werk des Frak­tur­ſat­zes und über­trägt es ſelbſt­tätig auf den Text, ſetzt »Tatze« alſo mit, »Tatzeit« oh­ne tz-Li­ga­tur. Die Trenn­funk­tion muß al­ſo nicht mehr oder nur noch äu­ßerſt ſel­ten an­ge­wen­det wer­den, et­wa bei Wör­tern glei­cher Buch­ſta­ben­fol­ge mit un­ter­ſchied­li­cher Be­deu­tung wie »Glaser­satz« im Vers: »Es lau­tet ſtets mein Gla­ſer­ſatz: Ver­wen­de nie­mals Glas­er­ſatz!«
Auch voll­funk­tio­na­le Open­Type-Schrif­ten wie die LOV-Schrif­ten kön­nen ſelbſt­tä­tig Re­gel-Frak­tur­tex­te er­zeu­gen. Da­zu wer­den die Re­geln in je­de Schrift ein­ge­arbei­tet. Sol­che Schrif­ten ſind der­zeit aber nur mit den we­ni­gen Text­pro­gram­men ver­wend­bar, die um­faſ­ſend Open­Type-fä­hig ſind.
Damit iſt das Ziel er­reicht, Frak­tur­ſchrif­ten ſo ein­fach wie An­ti­quaſchrif­ten an­zu­wen­den und da­bei ei­nen re­gel­ge­rech­ten Frak­tur­text mit Liga­tu­ren und Lang-ſ auch oh­ne Spe­zial­kennt­niſſe zu er­zeu­gen.