Ligaturſyſteme

Ligaturen oder Buchſtabenverbünde ſind eigen­ſtän­dige Zei­chen auf ei­ge­nen Zei­chen­plätzen, de­ren un­ter­ſchied­li­che La­ge und Co­die­rung die nach­ſte­hen­den vier Li­ga­tur­ſyſte­me cha­rak­te­ri­ſie­ren.


1. Fraktur­ſchriften mit ASCII-co­dier­ten Li­ga­tu­ren

Zeichen­plätze für Frak­tur­li­ga­tu­ren und Lang-ſ ſtan­den am Be­ginn des elek­tro­niſchen Frak­tur­ſchrei­bens um 1990 re­gu­lär nicht zur Ver­fü­gung. Alle 255 da­mals mög­li­chen Plätze der Schrift­da­tei­en wa­ren mit in­ter­natio­nal ge­norm­ten Zei­chen und Steu­er­funk­tio­nen be­legt. Da­her blieb nichts an­de­res übrig, als die Li­ga­tu­ren auf die Plätze ſel­ten ver­wen­de­ter Norm­zei­chen zu le­gen, zu­nächſt auf die Plätze von ASCII-Zei­chen mit ei­ge­nen Taſten wie %, >, ] oder @. Wird eine ſol­che Schrift im Text­pro­gramm ge­wählt, er­ſcheint zum Bei­ſpiel die ck-Li­ga­tur, wenn man die »Li­ga­tur­ta­ſte« [%] an­ſchlägt. Sol­che ASCII-co­dier­ten Frak­tur­ſchriften ſind nicht norm­ge­recht, wer­den aber heu­te noch mit ei­ge­nen Haus­be­le­gun­gen an­ge­bo­ten. Daher ſind die Schriften nur dann aus­tauſch­bar, wenn ſie vom ſel­ben An­bie­ter ſtammen.

2. Frakturſchriften mit ANSI-codierten Liga­turen

Das gilt auch für die ſpäter ent­wickel­ten Schriften mit ANSI-co­dier­ten Li­ga­tu­ren, die ver­wen­det wur­den, ſo­bald es ein­fa­che Ein­ga­be­mög­lich­kei­ten auch für Zei­chen gab, die mit kei­ner Taſte ver­bun­den ſind. Die Li­ga­tu­ren wur­den auf ANSI-Zei­chen­plätze ober­halb des ASCII-Be­reichs ge­legt, zum Bei­ſpiel auf ¡, ¢ oder ¿ (alle noch in her­kömm­li­chen Schriften mit 255 Zei­chen). Das hatte nun aber den Vor­teil, daß kei­ne Norm­zei­chen der deut­ſchen Ta­ſta­tur mehr ver­drängt wur­den und alle Zei­chen wie auf den Ta­ſten an­ge­zeigt ge­ſetzt wer­den konn­ten. Auch die­ſe Schriften ſind heute noch im Um­lauf.

3. Frakturſchriften mit Unicode-codierten Liga­turen

Die Ein­füh­rung des Uni­code-Zei­chen­ſatzes er­wei­ter­te die Zahl der Zei­chen­plätze na­he­zu be­lie­big. Jetzt konn­ten Li­ga­tu­ren auf ei­ge­ne Plätze au­ßer­halb der 255 ANSI-Zei­chen­plätze ge­legt wer­den, oh­ne daß ſie Norm­zei­chen ver­dräng­ten. Der offi­ziell be­leg­te Teil des Uni­code-Zei­chen­ſatzes ent­hält aller­dings nur das Lang-ſ und die Frak­tur-ge­eig­ne­ten Li­ga­turen ff, ffi, ffl, fi, fl und ſt. Zei­chen­plätze für die wich­ti­ge­ren Liga­turen ch, ck, tz und alle an­de­ren feh­len je­doch. Ih­re Auf­nah­me iſt wohl nicht mehr ge­plant, weil es in­zwi­ſchen mit der Open­Type-Lay­out-Tech­nik (ſ.u.) und an­de­ren Syſte­men Ver­fah­ren gibt, Li­ga­tu­ren auch oh­ne ei­ge­ne Zei­chen­codes dar­zu­ſtellen. Da ſich das Open­Type-Syſtem für den Frak­tur­ſatz bis­her aber nur be­dingt eig­net und es keine offi­zielle DIN- oder ISO-Norm für wich­ti­ge Frak­tur­zei­chen gibt, hat der »Bund für deut­ſche Schrift und Spra­che e.V.« (www.BfdS.de) die »Uni­code-ge­rech­te Norm für Zuſatz­zei­chen«, Aus­ga­be 1 (UNZ 1), her­aus­ge­ge­ben in Ab­ſtim­mung mit MUFI (Medi­eval Uni­code Font Initia­tive) und TITUS (The­ſau­rus in­do­ger­ma­niſcher Text- und Sprach­ma­te­ria­lien). Sie faßt die Code­ſtellen vie­ler Li­ga­tu­ren und an­de­rer Frak­tur­zei­chen im offi­ziellen und pri­vat be­leg­ba­ren Be­reich des Uni­code-Zei­chen­ſatzes zu­ſam­men (UNZ1-Be­le­gung). Da­mit war erſt­mals die Grund­la­ge für aus­tauſch­ba­re Frak­tur­ſchriften mit ei­ner Schrift­an­bie­ter-un­ab­hän­gi­gen Li­ga­tur­be­le­gung ge­ge­ben, die kei­ne Nor­men ver­letzt.
Vergli­chen mit den un­ten beſchrie­be­nen Open­Type-Tex­ten ſind Uni­code-Tex­te ſta­bil und wer­den von faſt je­dem Text­pro­gramm ver­läß­lich an­ge­zeigt. Die Li­ga­tur­codes wer­den un­ab­hän­gig von den Frak­turſchriften mit dem Text ge­ſpei­chert, der ſo auch oh­ne die ur­ſprüng­lich ver­wen­de­te Schrift als Frak­tur­text er­kannt, ar­chi­viert, wie­der­her­ge­ſtellt und an an­de­re wei­ter­ge­ge­ben wer­den kann. Li­ga­fak­tur.de ſtellt ei­nen Grund­be­ſtand an UNZ1/A-co­dier­ten Frak­tur­ſchriften be­reit (als LUC-Schriften er­hältlich).

4. Fraktur­ſchriften mit Open­Type-Li­ga­turen

Das Open­Type-Layout-Syſtem er­gänzt das her­kömm­li­che Syſtem co­dier­ter Zei­chen um ſol­che, die meiſt nicht co­diert und dann kein Teil des Uni­code-Zei­chen­ſatzes ſind, und de­ren An­zei­ge ſchrift­in­tern pro­gram­miert wird. Es iſt von ähn­li­chen Sy­ſte­men das be­kann­teſte und wird auch als er­wei­terte Open­Type-, Open­Type-Smart­Font- oder Open­Type-Pro-Funk­tion be­zeich­net, hier als OT ab­ge­kürzt. Schrif­ten im Open­Type-For­mat (.ttf, .otf) kön­nen mit die­ſer Funk­tion aus­ge­ſtattet ſein, müſſen es aber nicht. OT-Schriften ſetzen zur An­zei­ge ih­rer OT-pro­gram­mier­ten Zei­chen OT-fä­hi­ge Schreib­ſyſte­me voraus.
Mit der Open­Type-Funk­tion kön­nen auch Liga­tu­ren dar­ge­ſtellt wer­den!
Sie wer­den im Text im­mer dann ange­zeigt, wenn li­ga­tur­bil­den­de Buch­ſta­ben wie c h, f i, s t u.a. auf­ein­an­der­fol­gen, vor­aus­ge­ſetzt die Schrift ent­hält de­ren Li­ga­tu­ren und Pro­gram­mie­rung (baſisfunk­tio­na­le Open­Type-Frak­tur­ſchriften; als LOB-Schriften er­hältlich). Ei­ne ſchrift­in­ter­ne OT-Pro­gramm­zei­le zur An­zei­ge zum Bei­ſpiel der ch-Li­ga­tur lau­tet ſinn­ge­mäß: Wenn die Zei­chen­plätze na­mens c und h un­mittel­bar auf­ein­an­der­fol­gen, zei­ge nicht de­ren In­halt, ſon­dern den des Zei­chen­platzes c_h an. – Zu­dem kön­nen wei­te­re Satz­re­geln pro­gram­miert wer­den, ſo daß im be­ſten Fall von ſelbſt ein re­gel­ge­rech­ter Frak­tur­text ent­ſteht (voll­funk­tio­na­le Open­Type-Frak­tur­ſchriften; als LOV-Schriften er­hältlich).
Wie ver­läß­lich wer­den Open­Type-Li­ga­tu­ren dar­ge­ſtellt?
Sobald man codierte Liga­tu­ren in einen Text ein­gibt, blei­ben ſie dort ſo­lan­ge un­ver­än­dert er­hal­ten, bis man ſie löſcht. Open­Type-Li­ga­tu­ren ſind da­ge­gen vir­tu­ell und flüch­tig und kön­nen ſich je nach Pro­gram­mie­rung mit der Text­um­ge­bung än­dern. Auch Text­pro­gram­me kön­nen die An­zei­ge be­ein­fluſſen und be­ſtimm­te Be­feh­le un­ter­ſchied­lich oder gar nicht aus­füh­ren. Wäh­rend co­dier­te Li­ga­tu­ren in je­dem neu­eren Text­pro­gramm ver­läß­lich an­ge­zeigt wer­den, brau­chen OT-Li­ga­tu­ren ei­gens für ſie aus­ge­leg­te Schreib­ſyſte­me, ſind al­ſo nicht in je­dem Text- oder all­ge­mein text­ein­ga­be­fä­hi­gen Pro­gramm dar­ſtell­bar. Da es der­zeit an ein­heit­li­chen und aus­rei­chend OT-fä­hi­gen Text­pro­gram­men ſo­wie an ein­heit­li­cher Schrift­pro­gram­mie­rung man­gelt, ſind funk­tio­nie­rende OT-Schreib­ſyſteme bis­her nur Inſel­lö­ſun­gen für den Ei­gen­be­darf, denn OT-Tex­te laſſen ſich oft nicht ge­treu er­hal­ten, wenn ſie mit OT-Schriften an­de­rer Her­ſteller be­legt, wei­ter­ge­ge­ben oder von an­de­ren Schreib­ſy­ſte­men über­nom­men und dar­ge­ſtellt werden.



Frakturtexte ſpeichern und archi­vie­ren
Beim Speichern von Fraktur­tex­ten in Da­tei­en wer­den die Codes der ein­zel­nen Zei­chen ge­ſpei­chert, nicht aber die durch Open­Type-Pro­gram­mie­rung an­ge­zeig­ten Frak­tur­zei­chen. Wer Tex­te ſo ſpei­chern möch­te, daß ſie auch oh­ne zu­ge­hö­ri­ge Schrift als Frak­tur­tex­te er­kenn­bar ſind, muß Tex­te für Schriften mit co­dier­ten Li­ga­tu­ren nach 1.–3. er­ſtellen. Dann ent­hält die Text­da­tei alle Da­ten des Frak­tur­ſatzes. Auch Tex­te, die nach 4. mit baſisfunk­tio­na­len Open­Type-Frak­tur­ſchriften erſtellt wur­den, ſind ge­eig­net: »tz« zeigt eine tz-Li­ga­tur an, »t|z« die Ein­zel­zei­chen (| = Bin­de­hem­mer, un­ſicht­ba­res, brei­te­lo­ſes Trenn­zei­chen). Geſpei­cher­te Tex­te für voll­funk­tio­na­le Open­Type-Schriften ſind da­ge­gen rei­ne An­ti­qua­tex­te, die nicht als Frak­tur­tex­te er­kenn­bar und ar­chi­vier­bar ſind. Alle Da­ten zum Frak­tur­ſatz ent­hält allein die Schrift.



Frakturtexte nach Stichwörtern durchſuchen
Beim Durchſuchen von Frak­tur­tex­ten nach Stich­wör­tern ſind da­ge­gen Tex­te im Vor­teil, die mit voll­funk­tio­na­len Frak­tur­ſchriften dar­ge­ſtellt wer­den. Sie kön­nen un­ab­hän­gig von der Li­ga­tur­an­zei­ge wie An­ti­qua­tex­te durch­ſucht wer­den. Zur Su­che in Tex­ten mit co­dier­ten Li­ga­tu­ren müſſen die Such­wör­ter da­ge­gen mit­ſamt ih­ren co­dier­ten Zei­chen ein­ge­ge­ben wer­den. Vor allem für Tex­te, de­ren leich­te Durch­ſuch­bar­keit wich­tig iſt wie bei Tex­ten für Netz­ſei­ten, ſoll­ten al­ſo voll­funk­tio­na­le Frak­tur­ſchriften be­vor­zugt werden, zu­mal die Netz­an­zei­ge­pro­gram­me heu­te meiſt Open­Type-fä­hig ſind.


Eigenſchaften der Frakturſchriftſyſteme im Vergleich